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Vorschrift
Normgeber:Ministerium für Umwelt und Klimaschutz
Aktenzeichen:16-05130/3
Erlassdatum:09.07.2008
Fassung vom:09.07.2008
Gültig ab:09.07.2008
Gültig bis:unbefristet gültig
Quelle:Wappen Niedersachsen
Gliederungs-Nr:28000
Normen:32006R0166, § 16 BArtSchV 2005, § 1 BNatSchG, § 65 BNatSchG 2002, § 6 ChemOzonSchichtV ... mehr
Fundstelle:Nds. MBl. 2008, 864, ber. S. 1055, 2009 S. 44
Richtlinien für die Verfolgung und Ahndung von Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Umweltschutzes

Richtlinien für die Verfolgung und Ahndung von Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Umweltschutzes



RdErl. d. MU v. 9. 7. 2008 — 16-05130/3 —
— VORIS 28000 —



— Im Einvernehmen mit dem MI, dem MJ, dem ML, dem MS und dem MW —





Fundstelle: Nds. MBl. 2008 Nr. 32, S. 864, ber. S. 1055



Bezug:

RdErl. v. 21. 10. 1992 (Nds. MBl. 1993 S. 9), zuletzt geändert durch
RdErl. v. 19. 7. 2005 (Nds. MBl. S. 685)
— VORIS 28000 00 00 00 001 —





1. Die Konferenz der für Umweltfragen zuständigen Ministerien und Senatsverwaltungen hat am 4. 12. 1987 beschlossen, eine überarbeitete Fassung der Richtlinien für die Verfolgung und Ahndung von Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Umweltschutzes einheitlich einzuführen. Die Neufassung dieser mit dem Bezugserlass eingeführten Richtlinien wird in der Anlage bekannt gemacht.



2. Die Richtlinien sind in fünf Teile gegliedert:

I.
Allgemeiner Teil
II.
Sachbereich Abfallentsorgung
III.
Sachbereich Immissionsschutz
IV.
Sachbereich Gewässerschutz
V.
Sachbereich Naturschutz und Landschaftspflege.


3. Dieser RdErl. tritt am 9. 7. 2008 in Kraft. Gleichzeitig wird der Bezugserlass aufgehoben.





An die
Dienststellen der Landesverwaltung
Region Hannover, Landkreise und Gemeinden





Anlage



Richtlinien für die Verfolgung und Ahndung
von Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Umweltschutzes



Inhaltsverzeichnis:

I.

Allgemeiner Teil

1.


Begriffsbestimmungen

2.


Anwendungsbereich des Katalogs

3.


Bußgeldverfahren und Verwarnungsverfahren

4.


Abgabe an die Staatsanwaltschaft

5.


Regelsätze für vorsätzliche Zuwiderhandlungen

6.


Grundsätze für die Erhöhung oder Ermäßigung der Regel- und Rahmensätze sowie für die Konkretisierung von Rahmensätzen

7.


Fahrlässiges Handeln

8.


Tateinheit

9.


Dauerzuwiderhandlungen

10.


Tatmehrheit

11.


Besondere persönliche Merkmale und Verletzung der Aufsichtspflicht

12.


Verfahren nach Einspruch




II.

Sachbereich Abfallentsorgung

1.


§ 61 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 des Kreislaufwirtschaftts- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG)

1.

1

Gegenstände des Hausmülls (ohne Sperrmüll)

1.

2

Gegenstände des Sperrmülls

1.

3

Altreifen

1.

4

Altfahrzeuge verschiedener Verkehrsträger (einschließlich mobiler Maschinen) sowie deren Teile

1.

5

Altöle, flüssige Brennstoffe, Öl/Wassergemische u. Ä.

1.

6

Bauschutt

1.

7

Schlammige Stoffe (z. B. Fäkalien, Klärschlamm und Abfälle aus Massentierhaltungen)

1.

8

Schlachtabfälle und Tierkadaver

1.

9

Pflanzliche Abfälle

2.


§ 61 Abs. 1 Nrn. 2 a bis 4 KrW-/AbfG

3.


Abfallablagerungsverordnung (AbfAblV)

4.


Klärschlammverordnung (AbfKlärV)

5.


Altfahrzeug-Verordnung (AltfahrzeugV)

6.


Altholzverordnung (AltholzV)

7.


Altölverordnung (AltölV)

8.


Batterieverordnung (BattV)

9.


Bioabfallverordnung (BioAbfV)

10.


Verordnung über die Beseitigung von pflanzlichen Abfällen durch Verbrennen außerhalb von Abfallbeseitigungsanlagen (BrennVO)

11.


Deponieverordnung (DepV)

12.


Deponieverwertungsverordnung (DepVerwV)

13.


Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV)

14.


Verordnung über die Entsorgung gebrauchter halogenierter Lösemittel (HKWAbfV);

15.


Transportgenehmigungsverordnung (TgV)

16.


Verpackungsverordnung (VerpackV)

17.


Versatzverordnung (VersatzV)

18.


Ordnungswidrigkeiten nach § 61 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 2 Nr. 10 KrW-/AbfG i. V. m. § 5 der PCB/PCT-Abfallverordnung (PCBAbfallV)

19.


Ordnungswidrigkeiten nach § 61 Abs. 2 Nrn. 1 bis 14 KrW-/ AbfG

20.


Nachweisverordnung (NachwV)

21.


Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)

22.


Chemikalien-Ozonschichtverordnung (ChemOzonSchichtV); Ordnungswidrigkeiten nach § 61 Abs. 1 Nr. 5 KrW-/AbfG i. V. m. § 6 Abs. 3 ChemOzonSchichtV)

23.


Ordnungswidrigkeiten nach § 46 NAbfG




III.

Sachbereich Immissionsschutz

1.


Genehmigungsbedürftige Anlagen i. S. des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG)

2.


Nicht genehmigungsbedürftige Anlagen, Beschaffenheit von Anlagen, Stoffen, Erzeugnissen, Brennstoffen und Treibstoffen, Betrieb von Fahrzeugen

3.


Benzinbleigesetz (BzBlG)

4.


Gesetz zur Ausführung des Protokolls über Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister vom 21. 5. 2003 sowie zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 166/2006 (PRTR-ProtAG)

5.


Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV)

6.


Verordnung zur Emissionsbegrenzung von leichtflüchtigen halogenierten organischen Verbindungen (2. BImSchV)

7.


Verordnung zur Auswurfbegrenzung von Holzstaub (7. BImSchV)

8.


Störfall-Verordnung (12. BImSchV)

9.


Verordnung über Großfeuerungs- und Gasturbinenanlagen (13. BImSchV)

10.


Verordnung über die Verbrennung und die Mitverbrennung von Abfällen (17. BImSchV)

11.


Verordnung über Chlor- und Bromverbindungen als Kraftstoffzusatz (19. BImSchV)

12.


Verordnung zur Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen beim Umfüllen und Lagern von Ottokraftstoffen (20. BImSchV)

13.


Verordnung zur Begrenzung der Kohlenwasserstoff-emissionen bei der Betankung von Kraftfahrzeugen (21. BImSchV)

14.


Verordnung zur Begrenzung von Emissionen aus der Titandioxid-Industrie (25. BImSchV)

15.


Verordnung über elektromagnetische Felder (26. BImSchV)

16.


Verordnung über Anlagen zur Feuerbestattung (27. BImSchV)

17.


Verordnung über Emissionsgrenzwerte für Verbrennungsmotoren (28. BImSchV)

18.


Verordnung über Anlagen zur biologischen Behandlung von Abfällen (30. BImSchV)

19.


Verordnung zur Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen bei der Verwendung organischer Lösemittel in bestimmten Anlagen (31. BImSchV)

20.


Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (32. BImSchV)




IV.

Sachbereich Gewässerschutz

I.


Wasserhaushaltsgesetz (WHG)

II.


NWG

III.


Sonstige



V.
Sachbereich Naturschutz und Landschaftspflege

Erster Abschnitt:

Tatbestände außerhalb des Artenschutzes

Zweiter Abschnitt:

Artenschutz

1.
Zuwiderhandlungen, bei denen zwischen streng geschützten, besonders geschützten und sonstigen Arten unterschieden wird
2.
Sonstige Zuwiderhandlungen gegen Bestimmungen des Artenschutzes


A n l a g e

Verwarngeldkatalog für den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“





I. Allgemeiner Teil



1.

1.1 Eine Ordnungswidrigkeit ist eine rechtswidrige und vorwerfbare Handlung, die den Tatbestand eines Gesetzes (förmlichen Gesetzes oder einer aufgrund eines solchen erlassenen Rechtsverordnung oder Satzung) verwirklicht, das die Ahndung mit einer Geldbuße zulässt (§ 1 Abs. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten — OWiG —, vgl. jedoch auch § 1 Abs. 2 OWiG).



1.2 Eine Straftat ist eine rechtswidrige und schuldhafte Handlung, die den Tatbestand eines Gesetzes verwirklicht, das die Ahndung mit einer Strafe (Freiheitsstrafe, Geldstrafe) vorsieht.



2.

2.1 Der Bußgeldkatalog ist als Richtlinie für die zuständigen Verwaltungsbehörden und für die Polizei bei Ordnungswidrigkeiten aus den Sachbereichen Abfallentsorgung, Immissionsschutz, Gewässerschutz sowie Naturschutz und Landschaftspflege anzuwenden.

Wesentliches Element der materiellen Gerechtigkeit ist dabei eine möglichst gleichmäßige Behandlung gleich gelagerter Sachverhalte. Mit dem Katalog soll eine Liste der Verstöße gegen die genannten Bußgeldvorschriften vorgelegt werden, um einen einheitlichen Vollzug bei der Verfolgung und Ahndung dieser Verstöße zu erreichen. Die in dem Katalog genannten Regel- und Rahmensätze für die Bemessung der Geldbuße haben allerdings nur die Bedeutung einer Richtlinie hierfür. Die Verwaltungsbehörde muss in jedem Einzelfall prüfen, ob Besonderheiten des Sachverhaltes eine Abweichung von diesen Regel- und Rahmensätzen verlangen.

Der Verstoß gegen die Nebenbestimmungen ist nach pflichtgemäßem Ermessen der Behörde mit einem unterhalb der für den Hauptverstoß geltenden Bußgeldhöhe zu belegen.



2.2 Soweit Zuwiderhandlungen aus den Sachbereichen nach Nummer 2.1 nicht vom Katalog erfasst werden, soll für die Bemessung der Geldbuße von vergleichbaren Zuwiderhandlungen des Katalogs ausgegangen werden.



3.
3.1

Ein Bußgeldverfahren soll eingeleitet werden, wenn aufgrund von Feststellungen oder Anzeigen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Ordnungswidrigkeit aus den Sachbereichen nach Nummer 2.1 vorliegen und der Verfolgung keine rechtlichen Hindernisse entgegenstehen. Dies gilt nicht, wenn die Ordnungswidrigkeit so unbedeutend erscheint, dass nicht einmal eine Verwarnung notwendig ist. Die Verfolgung und Ahndung einer Ordnungswidrigkeit liegt im pflichtgemäßen Ermessen der Verfolgungsbehörde (§ 47 Abs. 1 und 2 OWiG — Opportunitätsprinzip —).



3.2

Ist eine Ordnungswidrigkeit als geringfügig zu beurteilen, kann von der Durchführung eines Bußgeldverfahrens abgesehen und eine Verwarnung erteilt werden (§ 56 Abs. 1 OWiG). Dabei soll ein Verwarnungsgeld erhoben werden, wenn die Verwarnung ohne Verwarnungsgeld unzureichend ist. Die Erfordernisse des § 56 Abs. 2 OWiG sind zu beachten (Einverständnis der Täterin oder des Täters nach Belehrung; Zahlung des Verwarnungsgeldes innerhalb bestimmter Frist). Für die Einstufung einer Ordnungswidrigkeit als geringfügig sind vor allem das Maß der Gefährdung oder Schädigung der geschützten Umweltgüter sowie das Täterverhalten (Notwendigkeit eines fühlbaren Denkzettels zur Beeinflussung künftigen Verhaltens) im Einzelfall nach pflichtgemäßem Ermessen zu berücksichtigen.

Im Bußgeldkatalog sind — ohne Anspruch auf Vollständigkeit — die Zuwiderhandlungen besonders kenntlich gemacht, bei denen häufig eine Verwarnung in Betracht kommt (Kennzeichnung durch „*“ in den Spalten 3 und 4).

Eine Ordnungswidrigkeit kann dann nicht mehr als geringfügig angesehen werden, wenn der Regelsatz nach dem Bußgeldkatalog das gesetzliche Höchstmaß des Verwarnungsgeldes überschreitet, es sei denn, es liegen besondere Umstände i. S. von Nummer 6.3 vor.



4.

4.1 Die Verwaltungsbehörde hat die Sache an die zuständige Staatsanwaltschaft abzugeben, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die zu verfolgende Handlung eine Straftat ist (§ 41 Abs. 1 OWiG).



4.2 Eine Sache ist auch dann als Straftat zu behandeln und damit an die Staatsanwaltschaft abzugeben, wenn durch ein und dieselbe Handlung (Tateinheit) oder durch mehrere Handlungen innerhalb eines einheitlichen Ereignisses (Verknüpfung mehrerer Handlungen in einem einheitlichen Lebensvorgang) sowohl der Tatbestand einer Straftat als auch einer Ordnungswidrigkeit verwirklicht wird (§ 21 Abs. 1 OWiG).



4.3 Wird die tateinheitliche Straftat von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt (§ 41 Abs. 2 OWiG), kann die tateinheitliche Ordnungswidrigkeit von der Verwaltungsbehörde verfolgt werden (§ 21 Abs. 2 OWiG).



5.

Die im Katalog ausgewiesenen Geldbußen sind Regel- und Rahmensätze für vorsätzliche Zuwiderhandlungen.



6.
6.1

Die Regel- und Rahmensätze können nach den Grundsätzen des § 17 Abs. 3 und 4 OWiG je nach den Umständen des Einzelfalles erhöht (vgl. Nummern 6.2 und 6.2.1) oder ermäßigt (vgl. Nummer 6.3) werden.

Für die konkrete Festsetzung innerhalb eines Rahmensatzes ist sinngemäß zu verfahren.



6.2

Eine Erhöhung kommt nach Maßgabe der hierzu ergangenen Rechtsprechung insbesondere in Betracht, wenn

a)
das Ausmaß der Umweltbeeinträchtigung nach den Umständen des Falles ungewöhnlich groß ist,
b)
die Täterin oder der Täter
aa)
sich uneinsichtig zeigt,
bb)
bereits einmal wegen einer gleichartigen Ordnungswidrigkeit innerhalb der letzten drei Jahre mit einer Geldbuße belegt oder förmlich (schriftlich) verwarnt worden ist,
cc)
die Ordnungswidrigkeit im Zusammenhang mit der Ausübung eines Berufs oder eines Gewerbes begeht,
dd)
vorwerfbar einen rechtswidrigen Zustand für einen gewissen Zeitraum herbeigeführt hat (vgl. Nummer 9),
ee)
in außergewöhnlich guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt.


6.2.1
Gewinnabschöpfung

Wurden wirtschaftliche Vorteile aus der Tat gezogen, so soll die Geldbuße den Betrag des empfohlenen Bußgeldes um diesen Vorteil (Gewinn) übersteigen (§ 17 Abs. 4 Satz 1 OWiG); auf diese Weise soll unlauteres Gewinnstreben bekämpft und sichergestellt werden, dass keine wirtschaftlichen Vorteile aus der Verletzung von Umweltschutzvorschriften gezogen werden können. Zwischen den erstrebten und erreichten Vorteilen einerseits und der Höhe der Sanktionen andererseits ist ein angemessenes Verhältnis herzustellen. Dabei kann das gesetzliche Höchstmaß der Geldbuße überschritten werden, wenn es sonst nicht möglich wäre, den wirtschaftlichen Vorteil, der aus der Tat gezogen wurde, abzuschöpfen (§ 17 Abs. 4 Satz 2 OWiG).



6.2.2
Verfall von Vermögensvorteilen

Hat die Täterin oder der Täter oder ein Dritter, für den die Täterin oder der Täter gehandelt hat, wirtschaftliche Vorteile aus der Tat gezogen und wird ein Bußgeldverfahren nicht eingeleitet, eingestellt oder eine Geldbuße nicht festgesetzt, so kann der Verfall eines Geldbetrages bis zur Höhe des erlangten Vermögensvorteils angeordnet werden, wobei die Höhe des Vermögensvorteils geschätzt werden kann (§ 29 a OWiG).



6.3

Eine Ermäßigung kann insbesondere in Betracht kommen, wenn

a)
das Ausmaß der Umweltbeeinträchtigung nach den Umständen des Falles ungewöhnlich klein ist,
b)
der Vorwurf, der die Täterin oder den Täter trifft, aus besonderen Gründen des Einzelfalles geringer als für durchschnittliches vorwerfbares Handeln erscheint,
c)
die Täterin oder der Täter Einsicht zeigt, so dass Wiederholungen nicht zu befürchten sind,
d)
die empfohlene Geldbuße zu einer unzumutbaren wirtschaftlichen Belastung führt, auch unter Berücksichtigung weiterer Geldbußen, die für andere Ausführungshandlungen festzusetzen sind, zu denen ein gewisser zeitlicher und räumlicher Zusammenhang besteht und die eine im Wesentlichen gleichartige Begehungsweise aufweisen (früher so genannte fortgesetzte Handlungen),
e)
die wirtschaftlichen Verhältnisse der Täterin oder des Täters außergewöhnlich schlecht sind.


7.

Soweit fahrlässiges Handeln mit Bußgeld bedroht ist, soll im Regelfall von der Hälfte der Regel- und Rahmensätze nach Nummer 5 ausgegangen werden. Das gesetzliche Höchstmaß der Geldbuße nach § 17 Abs. 2 OWiG darf dabei nicht überschritten werden. Im Übrigen gelten die Grundsätze nach den Nummern 6.2 und 6.3 auch für fahrlässiges Handeln.



8.

Verletzt dieselbe Handlung mehrere Rechtsvorschriften, nach denen sie als Ordnungswidrigkeit geahndet werden kann, oder eine solche Rechtsvorschrift mehrmals, so wird nur eine einzige Geldbuße festgesetzt. Dabei bestimmt sich die Geldbuße nach der Rechtsvorschrift, mit der die höchste Geldbuße angedroht wird (§ 19 OWiG).



9.

9.1 Eine Dauerzuwiderhandlung liegt vor, wenn der durch die Verletzung einer Rechtsvorschrift begründete Zustand vorsätzlich oder fahrlässig über einen gewissen Zeitraum aufrechterhalten wird. Hier liegt nur eine Zuwiderhandlung vor.

9.2 Bei der Festsetzung der Geldbuße ist zwar von den Regel- und Rahmensätzen des Bußgeldkataloges auszugehen (vgl. Nummer 5), die Geldbuße soll jedoch unter Berücksichtigung der Dauer des rechtswidrigen Zustandes erhöht werden (vgl. Nummer 6.2 Buchst. b Doppelbuchst. dd).



10.

Werden durch mehrere rechtlich selbständige Handlungen mehrere Ordnungswidrigkeiten begangen, so wird für jede eine Geldbuße gesondert festgesetzt (§ 20 OWiG). Die begangenen Ordnungswidrigkeiten und ausgeworfenen Bußgelder können in einem Bußgeldbescheid zusammengefasst werden.



11.

11.1 Handelt jemand für einen anderen (als vertretungsberechtigtes Organ einer juristischen Person, als Mitglied eines solchen Organs, als vertretungsberechtigte Gesellschafterin oder vertretungsberechtigter Gesellschafter einer Personenhandelsgesellschaft, als gesetzliche Vertreterin oder gesetzlicher Vertreter, Beauftragte oder Beauftragter in einem Betrieb), sind die besonderen Bestimmungen des § 9 OWiG zu beachten.



11.2 Gegen juristische Personen und Personenvereinigungen kann unter den Voraussetzungen des § 30 OWiG eine Geldbuße festgesetzt werden.



11.3 Wegen Verletzung der Aufsichtspflicht in Betrieben und Unternehmen durch die Inhaberin oder den Inhaber oder ihnen gleichstehende Personen wird auf § 130 OWiG hingewiesen.



12.

Ein unzulässiger Einspruch wird von der Verwaltungsbehörde durch Bescheid verworfen. Bei dessen Zustellung ist über den Rechtsbehelf des Antrages auf gerichtliche Entscheidung zu belehren (§ 50 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 69 Abs. 1 Satz 2 OWiG).

Ist der Einspruch zulässig und begründet, nimmt die Verwaltungsbehörde den Bußgeldbescheid zurück. Zur Prüfung der Begründetheit kann die Verwaltungsbehörde in einem Zwischenverfahren neue Sachermittlungen anordnen oder selbst vornehmen (§ 69 Abs. 2 OWiG).

Erhält die Verwaltungsbehörde den Bußgeldbescheid aufrecht, so übersendet sie die Akten der Staatsanwaltschaft (§ 69 Abs. 3 OWiG) und bittet, auf ihre Beteiligung nach § 76 Abs. 1 OWiG hinzuwirken, wenn sie beabsichtigt, in der Hauptverhandlung die Gesichtspunkte vorzubringen, die von ihrem Standpunkt für die Entscheidung von Bedeutung sind. Hält die Verwaltungsbehörde die Teilnahme der Staatsanwaltschaft an der Hauptverhandlung für notwendig, so regt sie diese an.





II. Sachbereich Abfallentsorgung

Tabelle zu II. Sachbereich Abfallentsorgung





III. Sachbereich Immissionsschutz

Tabelle zu III. Sachbereich Immissionsschutz





IV. Sachbereich Gewässerschutz

Tabelle zu IV. Sachbereich Gewässerschutz





V. Sachbereich Naturschutz und Landschaftspflege



Im Interesse des Wohls der Allgemeinheit, insbesondere zum Schutz der in § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) genannten Rechtsgüter, ist — neben präventiven Maßnahmen der Verwaltung — der Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach § 65 BNatSchG, § 16 der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und nach den einschlägigen landesrechtlichen Bestimmungen, z. B.

§ 64 NNatG,
§ 21 NPGHarzNI,
§ 28 NWattNPG,
§ 39 NElbtBRG,

besondere Beachtung zu schenken.



Besonders bedeutsam ist dabei eine möglichst gleichmäßige Behandlung gleich gelagerter Sachverhalte. Mit dem Bußgeldkatalog soll eine — nicht abschließende — Liste der Verstöße gegen die genannten Bußgeldvorschriften vorgelegt werden, um einen einheitlichen Vollzug bei der Verfolgung und Ahndung dieser Verstöße zu erreichen. Die in dem Katalog genannten Regel- und Rahmensätze haben allerdings für die Bemessung der Geldbuße nur die Bedeutung einer Richtlinie. Die Verwaltungsbehörde muss in jedem Einzelfall prüfen, ob Besonderheiten des Sachverhalts eine Abweichung von diesen Sätzen verlangen. Tatbestände, die nicht typisierbar und unterschiedlich geregelt sind, unterliegen hinsichtlich der Bußgeldhöhe dem pflichtgemäßen Ermessen der zuständigen Verwaltungsbehörden. Bei den vom Katalog nicht erfassten Verstößen soll die Höhe des Bußgeldes nach der für einen vergleichbaren Tatbestand festzustellenden Geldbuße bestimmt werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass von der Verhängung der höchstzulässigen Geldbuße (§ 65 NNatG bzw. § 65 Abs. 5 BNatSchG) nur in den Fällen des Teils I (Allgemeiner Teil) Nr. 6.2 Gebrauch gemacht werden sollte.



Insbesondere bei den mit einem Sternchen gekennzeichneten Bußgeldsätzen kann auch eine Verwarnung in Betracht kommen (siehe Nummer 3.2 des Teils I — Allgemeiner Teil —). Ein Verwarngeldkatalog für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist diesem Bußgeldkatalog als A n l a g e beigefügt.



Dieser Teil (Teil V) des Bußgeldkataloges umfasst zwei Abschnitte:

1.
Der Erste Abschnitt erfasst Tatbestände außerhalb des Artenschutzes und unterscheidet bei der Bußgeldhöhe zwischen
a)
Naturschutzgebieten und den einem ähnlichen Schutz unterstellten Flächen und Objekten (Spalte 3), auch wenn diese erst einstweilig sichergestellt sind oder die Handlung von außen hineinwirkt bzw. bei Naturdenkmälern in der geschützten Umgebung. Besonders geschützte Biotope oder besonders geschütztes Feuchtgrünland sind in Spalte 3 unter der Voraussetzung erfasst, dass sie in das Verzeichnis geschützter Teile von Natur und Landschaft eingetragen sind oder dem Betroffenen bekannt gegeben wurden.
b)
Landschaftsschutzgebieten und anderen geschützten Flächen und Objekten (Spalte 4), auch wenn diese erst einstweilig sichergestellt sind.
c)
Flächen und Objekten, die nicht von Spalte 3 oder Spalte 4 erfasst sind. Bei diesen ist der in Spalte 4 genannte Bußgeldrahmen um 20 v. H. vermindert entsprechend anzuwenden.
2.
Der Zweite Abschnitt erfasst Tatbestände des Artenschutzes und enthält
a)
im ersten Teil die Tatbestände, bei denen bei der Bußgeldhöhe zwischen
streng geschützten Arten (Spalte 3),
besonders geschützten Arten (Spalte 4) und
sonstige Arten (Spalte 5)
unterschieden wird,
b)
im zweiten Teil die übrigen Tatbestände aus dem Bereich des Artenschutzes.




Erster Abschnitt: Tatbestände außerhalb des Artenschutzes



Zweiter Abschnitt: Artenschutz






Anlagen (nichtamtliches Verzeichnis)

Anlage 1: Tabelle zu II. Sachbereich Abfallentsorgung

Anlage 2: Tabelle zu III. Sachbereich Immissionsschutz

Anlage 3: Tabelle zu IV. Sachbereich Gewässerschutz

Anlage 4: Abschnitt 1 - Tatbestände außerhalb des Artenschutzes

Anlage 5: Abschnitt 2 - Tatbestände des Artenschutzes

Anlage 6: Verwarngeldkatalog für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

 


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